Samstag, 1. März 2008

Kirmes in Aix

Ja, der Marc und die Alena waren auf der Kirmes in Aix. Es war nicht ganz leicht, sie zu finden, und die Zeit war wohl nicht die beste, denn die meisten Stände waren noch zu und der Mann am Riesenrad wusste weder, wann die Kirmes normalerweise aufmacht, noch, wann sie schließt. Aber wir waren da und haben uns köstlich amüsiert. Jawohl. Und um den schnöden Eintrag über die Kirmes zu rechtfertigen: Wir sind Wilde Maus gefahren. Ganz echte Wilde Maus!

Dienstag, 26. Februar 2008

Der erste Besuch

Ich hatte Besuch - Stephan war da! Ziemlich kurzfristig und mit einem Umweg über Londen (Ryanair sei Dank!) konnte ich ihn letzten Donnerstag am Flughafen abholen. Wie bestellt war der Himmel wolkenlos und die Sonne bescherte uns echtes "Herzlich wilkommen-T-shirt-Wetter"! Beim Marsch vom Busbahnhof in Aix bis zu unseren heimeligen vier türkisen Wänden im Studentenwohnheim wurde mir seit langem wieder bewusst, welche Strecken wir hier zu Fuss ständig zurücklegen. Wenn man's nicht gewohnt ist...Stephan hatte so allerdings schon eine Menge gesehen, als wir endlich ankamen. Natürlich stand erstmal Aix auf dem Programm, mit Kaffee trinken in unserem Lieblingscafé und Herumirren in den engen Gassen der Altstadt. Da wir ja nur zwei volle Tage zur Verfügung hatten (am Freitag hatten wir tatsächlich von zehn Uhr morgens bis fünf Uhr abends Vorlesung!), ging es am Samstag in die nähere Umgebung, sprich Marseille mit einem Abstecher an die Calanques.

Ein Satz, den Stephan auf dem Weg zu der ersten kleinen Bucht öfter mal wiederholt hat: "Und ihr seid vier Stunden hier rumgewandert?". Ja, da habe ich schon eine Meisterleistung vollbracht. Wir entschieden uns diesmal nur für die kleine Runde um noch die Abendsonne am Hafen in Marseille zu geniessen.

Knappe fünf Tage waren natürlich viel zu kurz und deswegen kommt er im April schon wieder. Schliesslich sind wir ja "nur" in Frankreich...

Übrigens: Der Marc ist jetzt auch grad hier und geht gleich mit Alena auf die Kirmes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Freitag, 22. Februar 2008

Karneval in Nizza

Wir haben es wieder getan. Sind letzten Sonntag wieder mit Souheil und seiner Organisation "Students in Aix" losgezogen - diesmal nach Nizza, um uns den Karnevalsumzug anzuschauen, der drei Wochen lang jeden zweiten oder dritten Tag stattfindet. (Ich beneide weder die Einwohner Nizzas noch die beim Umzug Beteiligten, die jedes Mal wieder gut gelaunt aussehen müssen.) Das Wetter war nicht so, wie wir uns das gedacht hatten, nach dem Motto: In Monaco war's warm, Nizza ist nicht weit davon entfernt, also ist es da auch warm. Stimmt nämlich nicht. In Nizza pfiff ein unangenehmer Wind, noch dazu war es bewölkt. Nach der üblichen halbstündigen Stadtführung ("Da ist der Flughafen, der ist berühmt, weil viele Touristen hier ankommen. Das ist das Gericht und da vorne ist die Altstadt. So, nun viel Spass euch und wir sehen uns um fünf am Bus!") gingen wir deshalb erstmal auf die Suche nach einem Café, um uns aufzuwärmen. Punkt zwei standen wir dann auf der Promenade des Anglais, um uns frierend in lustige Karnevalsstimmung zu bringen.

Alkohol gibt es dafür zwar nicht, aber lustige Plastikwürste aus Dosen, die nach Lösungsmittel riechen, Flecken machen und überall kleben bleiben. Von den Kostümen hat man dann nicht mehr allzu viel gesehen.
"Helau" oder "Alaaf" hat auch kein Mensch gerufen, alles nicht so richtig in Frankreich. Also haben wir uns damit begnügt, den lustigen Zug an uns vorbeiziehen zu lassen, vor den Plastikschlangen zu fliehen und unsere Stehplätze zu verteidigen. Schön war's, aber auch ein bisschen anstrengend. Weswegen wir uns kurz vor Abfahrt auch nochmal am Meer von den Strapazen erholten, bevor wir auf der Rückfahrt im Bus von Souheils Lieblingsmusik aus den 80ern berieselt wurden.


Mit von der Partie: Evelyn, Lena, Sylvain und Niko.

Montag, 18. Februar 2008

Im Namen des Herrn unterwegs

"Taizé? Au nom de Dieu." So kommentierte der Busfahrer grinsend meinen Wunsch, mich von Mâcon nach einer siebenstündigen Reise endlich zum Ziel zu bringen: Taizé. Zwar war ich nicht ganz im Namen Gottes unterwegs, sondern im Namen der Uni, beziehungsweise im Namen meines Berufes (oder auch, um den Kreis wieder zu schließen, im Namen meiner Berufung), aber während der zwei Tage, die ich in Taizé verweilte, habe ich trotzdem fast das volle Programm mitgemacht.

Doch von vorne: Um meine "Mission" im Kurs Synergie Communication zu erfüllen, soll ich mindestens vier Artikel für eine französische Studentenwebsite schreiben, Thema frei wählbar. Beim Überlegen fiel mir unter anderem Laura ein, eine Bekannte aus der Heimat, die seit knapp anderthalb Jahren in der ökumenischen Kommunität von Taizé wohnt und arbeitet. Was in mir als kritische Journalistin die Fragen aufwarf: Warum ist die da? Und warum so lange? Und was geht Jugendliche überhaupt Gott und der Glaube an?

Also brach ich am letzten Donnerstag mehr oder weniger spontan auf, um Antworten auf meine Fragen zu finden. Und meine Mission zu erfüllen. Wer Taizé kennt, weiß, dass Spontaneität gern gesehen ist. Mein Telefonat am Abend vor der Abfahrt verlief ungefähr so:

"Mein Name ist Alena Hecker und ich möchte einen Artikel über ein deutsches Mädchen schreiben, das seit einiger Zeit in Taizé wohnt und arbeitet. Wäre das in Ordnung?"
"Da müssen Sie Frère Emile fragen, der ist für die Medien verantwortlich."
"Ich weiß, aber er hat noch nicht auf meine eMail geantwortet."
"Er ist zurzeit in Kanada."
"Ja, ich weiß. Aber jetzt habe ich schon ein Bahnticket gekauft und wollte morgen einfach mal vorbeikommen."
"Morgen? Ja gut, kein Problem."

Am nächsten Nachmittag empfängt mich Taizé mit seiner gewohnten Atmosphäre - mehrsprachige Willkommensschilder, auf den Bänken Gruppen von Jugendlichen im Gespräch vertieft, beim Empfang alles etwas chaotisch, aber herzlich. Johannes, der mir bei der Anmeldung hilft, empfiehlt mir dringend, bei den Bibeleinführungen am Nachmittag teilzunehmen. Dafür erlaubt er mir, die Arbeit am Morgen zu schwänzen, wenn ich an meinem Artikel arbeiten müsse. Muss ich natürlich.

Laura und ich treffen uns in El Abiodh auf eine rote Schale Zitronentee. In den Tagen, die ich hier bin, führen wir einige gute Gespräche und ich bin gewiss: Den ersten Teil meiner Mission werde ich erfüllen können.
Selbst wenn ich nicht eine ganze Woche und nicht ganz privat in Taizé war - es war schön, dort gewesen zu sein. Ein bisschen kalt vielleicht, ein bisschen zu wenig zu Essen (mein Picknick für die Rückfahrt bestand aus einer Minischeibe Baguette, einer Pâté de Campagne, einem Trinkpäckchen Orangensaft, zwei Keksen und einer Tüte Chips - dafür, dass ich kein Mittagessen hatte und bis spätabends unterwegs war), dafür aber guten Gesprächen, netten Menschen und den Gebeten, die einfach ungemein beruhigen.

Ein paar Neuigkeiten, die es gibt: Die Kirche wird bis Ostern renoviert, zum Frühstück gibt es Marmelade statt Schokolade, die roten Schalen sind neu, freitags stehen auf dem Speiseplan Fischstäbchen statt Fischröllchen, für Kaffeetrinker steht eine Kaffeemaschine bereit und sie haben Messer und Gabel eingeführt. Nein, haben sie natürlich nicht.

An alle Liebenden

Der Karneval wird erst während der Fastenzeit nach Aschermittwoch richtig gefeiert, Karfreitag ist ein ganz normaler Arbeitstag, aber der Valentinstag ist mindestens dem Team der Französischen Eisenbahn wichtig genug, um allen Verliebten ein schönes Fest zu wünschen. So sind se, die Franzosen.

Die Calanques - Traumbuchten mit Hindernissen

Ich bin schon wieder gewandert! Vier Stunden über kleine und große Kieselsteine, hoch und runter, an schwindelerregenden Abgründen entlang, immer mit der Angst mir gleich die Beine zu brechen...Und warum das alles?

Deswegen!

Die Calanques - das ist eine Steilküste zwischen Marseille und Cassis. Die Region ist ein Umweltschutzgebiet und in den Sommermonaten sind die Zugänge wegen Brandgefahr gesperrt. Die meterhohen Felswände teilen sich immer wieder zu kleinen Buchten auf, in denen versteckte kleine Strände und verschlafene alte Fischerdörfer verborgen sind. Viele Wanderwege führen an den Schluchten vorbei und weiter ins Hinterland in die Berge.
Da Alena ja in Taizé weilte, machte ich mich wieder einmal mit Niko und den Kanadiern auf den Weg. Von Marseille aus ist es mit dem Stadtbus nur noch eine halbe Stunde und man steht mitten in der Pampa, wo allerdings auch noch der grösste Campus der Stadt untergebracht ist. Dort trafen wir uns mit einem einheimischen Franzosen, ein Bekannter von Sylvain, der uns zu den schönsten Stellen bringen sollte. Stéfane, so heisst er, ein echter Naturbursche, zeigte uns auf einer Karte einen Weg, erkundigte sich nach unserem "Laufniveau", und versicherte dann, dass der Weg in zwei Stunden zu schaffen sei. Für mich sah das allerdings schon auf der Karte unmöglich aus. Nun ja, auf ging's. Ich wollte eigentlich nur endlich mal wieder das Meer sehen. Aber schon bald war klar, dass der Dunst, der schon über Marseille hing, doch nicht "pollution" war, sondern schlichtweg Nebel. Diesiges Wetter halt, das uns an diesem Wochenende verfolgen sollte. Und so war auch Marseille in der Ferne nur zu erahnen.

Am Anfang fiel das Laufen leicht. Zwar legte Stéfane ein ordentliches Tempo vor, aber der Weg war nicht allzu steil und ausserdem lockte die Vorfreude.

Unsere Wandergruppe, Niko, Stéfanes Freundin (hab' den Namen vergessen), Stéfane, Sylvain, Julian, Jean-Mathieu, schlängelte sich also dahin.

Nach einer Pause, in der ich mich am Meer kaum sattsehen konnte (trotz Dunst) ging's aber los. Eine Ewigkeit, so kam es mir jedenfalls vor, rutschte ich nur noch auf diesen Kieseln bergab und ich war immer die Letzte, da ich zwischendurch wirklich weiche Knie bekam. Aber ich habe es geschafft, auch wenn ich Alena leider mitteilen musste, dass ich diese Wanderung nicht mit ihr wiederholen werde.
Mit diesem kleinen Fischerdorf, in eine Bucht eingebettet, wurde ich dann belohnt.


Und am Ende hatte ich sogar noch meinen kleinen versteckten Badestrand, zu dem ich auf jeden Fall im Sommer zurückkehren werde. Denn am Ende kam heraus, dass man dort in einer guten halben Stunde hin spazieren kann. Statt dessen spüre ich heute noch den Muskelkater von einer vierstündigen Kraxeltour.

Freitag, 15. Februar 2008

Das doppelte (A)lenchen

Es ist jedesmal dasselbe. Wir treffen neue Menschen, jeder stellt sich vor und dann kommt Verwirrung auf: "Du bist also Lena? Oder Alena? Oder doch Lena? Wie war das jetzt noch gleich?" Es dauert bis jeder durchschaut hat, wer denn jetzt nun wer ist. Die beiden Kanadier haben sich das mit unserer unterschiedlichen Körpergrösse gemerkt, wobei Alena die kleinere von uns beiden ist. Und dabei sehen wir uns doch gar nicht ähnlich!
Aber gut, einige Sachen sind schon unheimlich. Wir haben uns das mal aufgezählt: Also erstmal natürlich der Vorname, aber auch der Nachname fängt bei beiden mit H an. Dann die Geburtsorte Lohne und Lohra (glaube ich). Unsere Praktika in den gleichen Städten und in Berlin sogar in der gleichen Redaktion zu absolvieren war auch nicht so geplant.
Und jetzt leben wir in trautem Nachbarschaftsglück in den Zimmern Nummer 3602 und 3603. Aber es kommt noch besser. Wenn die Leute es dann endlich geschafft haben uns mit dem richtigen Namen anzusprechen und dann nach der Handynummer fragen, kommt von uns mittlerweile der Satz: "Ich gebe dir mal meine und Alenas Nummer ist dieselbe nur mit der neun hinten" (oder umgekehrt). Spätestens dann kommt die Bemerkung: "Ihr seid ja echte Freundinnen!" Grandios!

Warum ich gerade jetzt auf all das komme? Seit über vier Wochen bin ich das erste Mal ganz auf mich allein gestellt, muss alles ganz alleine entscheiden und mich mit anderen Leuten zum Essen verabreden. Und zum ersten Mal hier habe ich im Bett gefrühstückt. Alena ist für einen Artikel nach Taizé gefahren. Aber morgen Abend kommt sie schon wieder. Das wird toll! Dann haben wir uns endlich wieder ganz viel Neues zu erzählen. Das erste wird sein, dass ich heute tatsächlich eine neue Matratze abholen konnte.